Tür-Porträts

Das Motiv der Industrietüren begleitet Christina Glanz seit ihrem Langzeitprojekt zu Beginn der  90-er Jahre in der Niederlausitz, in dem sie den Abbau der dortigen Kohle-/Stahlindustrie, besonders in Lauchhammer, fotografisch dokumentiert hat. Dabei hat sie einmal Porträts der bislang dort Beschäftigten angefertigt, war aber auch gleichzeitig von der Ästhetik der verschwindenden Industriebauten fasziniert. Die schwarz-weiß fotografierten Türen der Ausstellung stammen aus diesen inzwischen nicht mehr bestehenden Betrieben. 2015 ist Christina Glanz das Motiv wiederbegegnet, als sie in Schweden mit industriellen Kontexten beschäftigt war und in den småländischen Orten Gnosjö und Skeppshult ähnliche Türen vorfand. Was hat es mit ihrem Aussehen auf sich? Die praktische Funktion von Türen ist sicher so etwas wie eine ‚Regelung von Zugängen‘. Als sichtbare Objekte vermitteln sie entsprechend  Angebote zu ihrer Nutzung, hierzu zählen Aufforderungen wie ‚Komm doch herein‘ oder ‚Bleib draußen‘. Die Botschaft der in der Ausstellung gezeigten Türen ist jedoch komplexer. Durch die unterschiedliche Art des Durchblicks, den sie gewähren, aber auch durch eine warnende, einladende oder abschreckende Farbe (rot vs. gelb/blau vs. schwarz) und durch Spuren ihres Gebrauchs wird beim Betrachter eine jeweils spezifische Wahrnehmung erzeugt. Die Kombination dieser Eigenschaften macht jede dieser Türen einzigartig. Für denjenigen, der im jeweiligen Betrieb mit ihr umzugehen hat oder hatte, liefert(e) sie ein vertrautes ‚Gesicht‘, das einen Teil seiner Arbeitsumgebung ausmacht(e). Alle Türen sind analog mit einer Linhof Technikardan S 4 x 5 inch fotografiert.

 

Tür Porträts von Småland